Interview | Thriller & Krimis

Die Suche – Lesung und Interview mit Charlotte Link

1. November 2018
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Das diesjährige Braunschweiger Krimifestival wurde von einer der erfolgreichsten deutschen Krimi-Autorinnen – Charlotte Link – eröffnet. Die Lesung fand im Braunschweiger Kino C1 statt und war mit über 600 verkauften Karten ausverkauft. Im Rahmen des Festivals hat Charlotte Link ihr neuestes Buch „Die Suche“ vorgestellt und sich netterweise auch ein paar meiner Fragen gestellt. Mehr zum Interview mit Charlotte Link könnt ihr im Folgenden nachlesen.

Auch wenn Charlotte Link bisher nie Serienfiguren oder -ermittler in ihren Büchern verwendet hat, treffen die Leser in „Die Suche“ zwei alte Bekannte. Kate, die bereits in „Der Beobachter“ und „Die Betrogene“ ihren Auftritt hatte, gehört auch in „Die Suche“ wieder zu den Hauptcharakteren. Zusammen mit Caleb, der den Lesern ebenfalls aus „Die Betrogene“ bekannt ist, wird sie mehr aus Zufall in eine aktuelle Ermittlung einbezogen. Geplant war dies von Charlotte Link allerdings nicht. Die Figur Kate hatte sie und auch viele Leser nur so fasziniert, dass sie sich noch nicht von ihr trennen konnte. Auch nach „Die Suche“ wird es daher noch ein weiteres Buch mit Kate und Caleb geben. Charlotte Link lebt in den 12 – 14 Monaten, in denen sich ihre Geschichte entwickelt und zu Papier gebracht wird, sehr eng mit ihren Charakteren zusammen. Daher ist zu sehen, wie sich die Charaktere weiterentwickeln, auch für die Autorin spannend zu erleben.

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Ein Hauptmerkmal der Bücher von Charlotte Link sind die verschiedenen Handlungsstränge, die am Ende zu einem großen Ganzen zusammenlaufen. Geplant sind diese Handlungsstränge und deren Verlauf von der Autorin allerdings nur teilweise. Manche Geschichten entwickeln sich während des Schreibens in eine andere Richtung und manchmal kommen auch ungeplante Handlungsstränge hinzu. Die Entwicklung der Geschichte hängt eng mit den Charakteren zusammen, die manchmal aber ganz anders handeln als dies im Voraus geplant war. Am spannendsten ist für Charlotte Link die Geschichte des Täters. Da sie selbst, wie sie sagt, ein Mensch mit keiner kriminellen Energie ist, setzt sie sich mit dem Täter sehr intensiv auseinander. Dabei liegt natürlich viel Recherchetätigkeit auch zu psychologischen Themen zugrunde. Die Plausibilität der Geschichte des Täters und seinen Gründen steht für Charlotte Link dabei im Vordergrund.

Wie auch einige andere ihrer Bücher, spielt „Die Suche“ in England. Charlotte Link fühlt sich mit England eng verbunden, da sie das Meer, die Landschaft und auch vor allem die Menschen dort sehr mag. Sie liebt die ironische Art der Engländer und verbringt viele ihrer Urlaube in diesem Land. Auch die englische Literatur hat es der Autorin angetan. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass sie von diesem Land inspiriert wird und ihre Geschichten dort spielen lässt. Charlotte Link liest auch selbst gerne andere Autoren im Krimigenre. Dabei gehören Simon Backett oder Mo Hayder zu ihren Lieblingsautoren, aber auch Biografien über englische Persönlichkeiten liest sie gerne. Charlotte Link hat sich in ihrer Karriere schon in unterschiedlichen Genres ausprobiert, doch Krimis sind das, was sie auch nach 20 Jahren noch fasziniert.

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Ihr erstes Feedback erhält Charlotte Link von ihrem Mann. Doch auch er bekommt ein neues Buch erst zu Gesicht, wenn die Geschichte vollständig und abgerundet ist. Kommentare zwischendurch würden die Autorin viel zu sehr irritieren. Aber vermutlich hätte der Leser sowieso Schwierigkeiten der Geschichte vorher vollständig zu folgen, da vor allem Namen oft auch zwischendurch getauscht werden, so die Autorin. Das Feedback von ihrem Mann nimmt Charlotte Link sehr ernst und lässt es, soweit es gerechtfertigt ist, auch in ihre Bücher einfließen. Rezensionen von Lesern liest die Autorin hingegen selten. Die Menge der Meinungen, die es im Internet gibt, überfordern sie oft. Daher verlässt sie sich lieber auf einige wenige Menschen in ihrem Umfeld und natürlich auf die Meinung ihrer Lektorin.


Die Suche von Charlotte Link

Die Suche von Charlotte Link
Erscheinungstermin: 01.10.2018

Klappentext:
Mehrere verschwundene Mädchen, eine Tote in den Hochmooren und scheinbar keine einzige Spur… In den Hochmooren Nordenglands wird die Leiche der ein Jahr zuvor verschwundenen 14-jährigen Saskia Morris gefunden. Kurze Zeit später wird ein weiteres junges Mädchen vermisst, die ebenfalls 14-jährige Amelie Goldsby. Die Polizei in Scarborough ist alarmiert. Handelt es sich in beiden Fällen um denselben Täter? In den Medien ist schnell vom Hochmoor-Killer die Rede, was den Druck auf Detective Chief Inspector Caleb Hale erhöht.
Auch Detective Sergeant Kate Linville von Scotland Yard ist in der Gegend, um ihr ehemaliges Elternhaus zu verkaufen. Durch Zufall macht sie die Bekanntschaft von Amelies völlig verzweifelter Familie, wird zur unfreiwilligen Ermittlerin in einem Drama, das weder Anfang noch Ende zu haben scheint. Und dann fehlt plötzlich erneut von einem Mädchen jede Spur … (Quelle: randomhouse)


Auch wenn schon einige ihrer Bücher verfilmt wurden, ist Charlotte Link nicht unbedingt ein Fan von Buchverfilmungen. Sie findet es schwer Bücher und Filme zu vergleichen, da beide Medien sehr unterschiedlich bedient werden müssen. Jedoch ist sie gerade von Buchverfilmungen manchmal enttäuscht, da man das Buch oft nicht wiedererkennt. Und ich kann das nur zu gut verstehen. Wer lässt sich nicht lieber von einem Buch oder Hörbuch entführen und spinnt seine eigene Geschichte im Kopf zusammen? Auch während ihrer anschließenden Lesung hat Charlotte Link ihr Publikum gefesselt und für einigen Signatur-Stau gesorgt. Da mich „Die Suche“ auch sehr begeistert hat, kann ich euch das Buch oder auch eine Lesung von Charlotte Link nur ans Herz legen!

Vielen dank an Charlotte Link und Randomhouse für das Interview und vielen Dank an das Team des Krimifestivals für die Organisation der Lesung!

Habt ihr „Die Suche“ bereits gelesen?
Oder schon mal eine ihrer Lesungen besucht?

Weitere Interviews findet ihr hier:
Chris Carter
Andreas Gruber
Justin Cronin
Nele Neuhaus
Jilliane Hoffmann

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    1. Hallo Martina,

      ja, Lesungen sind immer etwas Besonderes. Ich habe in den letzten Wochen auch einige besucht.
      Ich bin gespannt, wie dir das Buch gefällt! Du hast auf jeden Fall einige Seiten vor dir 😉

      Viele Grüße
      Meiky

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