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Die Spiegelstadt – Lesung und Interview mit Justin Cronin

11. November 2016

Die letzte Lesung des Braunschweiger Krimifestivals hat ein amerikanischer Autor gehalten, der aktuell wieder in aller Munde ist. Gerade erst wurde der dritte Teil der „Passage“-Trilogie veröffentlich, die Justin Cronin hier in Braunschweig vorgestellt hat. Netterweise haben mir der Goldmann Verlag und Justin Cronin etwas Zeit eingeräumt und ich konnte im Vorfeld ein Interview mit ihm durchführen. Direkt zu Anfang wurde ich von Justin Cronins Klavier-Künsten überrascht, da er es sich nicht nehmen lassen konnte, auf dem Klavier im Hotelflur ein paar Noten zu spielen. Ich war sehr überrascht von seiner wirklich offenen und freundlichen Art, die er mir gegenüber trotz eines sehr stressigen Tages gezeigt hat. Auch während des Interviews war Justin Cronin zu einigen Späßen aufgelegt. Er ist wirklich ein sehr sympathischer Mann, dessen Lesungen ihr euch nicht entgehen lassen solltet!

Die Spiegelstadt - Lesung und Interview mit Justin Cronin

Buchtouren sind für ihn allerdings purer Stress. Er hat auf seinen Touren zwar schon einige deutsche Städte gesehen, aber Zeit, um sich etwas umzusehen, hat er leider selten. Nur als jugendlicher Rucksacktourist, hatte Justin Cronin während seiner Europarundreise die Gelegenheit für Sightseeing. Die einzige deutsche Stadt, die er tatsächlich etwas besser kennt, ist München, da dort sein Verleger ansässig ist. Auch das Oktoberfest hat er in diesem Rahmen bereits besucht. Trotzdem ist Justin Cronin vor allem auch ein Familienmensch, der auf diesen langen Reisen, auf denen er seine Bücher vorstellt, seine Kinder und seine Frau sehr vermisst. Eigentlich ist nämlich die viele Zeit, die er als Autor für seine Familie hat, für ihn ein wahrer Pluspunkt am Leben als Autor. Dass man sich seine Zeit frei einteilen kann und viel zu Hause bei den Kindern ist, mag er am Autorensein besonders gerne. Auch dass er immer wieder erlebt, dass seine Bücher ganz besondere Begegnungen auslösen, begeistert ihn sehr.
Rezensionen zu seinen Büchern liest Justin Cronin heute nicht mehr. Nach wie vor bekommt er zwar eingereichte Rezensionen von seinen Verlag zugesendet, aber diese liest nur seine Frau. Da man als Autor lediglich die schlechten Rezensionen in Erinnerung behält, liest ihm auch seine Frau meist nur besonders gute Abschnitte vor. Außerdem helfe einem das Lesen von Rezensionen nicht dabei ein gutes Buch zu schreiben, so der Autor. Bei der Auswahl der amerikanischen Cover darf Justin Cronin durchaus mitentscheiden. Gerade für das dritte Buch hat er seinem Verlag genau beschrieben, was er darauf abgebildet haben möchte. Die amerikanischen Cover unterscheiden sich dabei deutlich von den deutschen. Diese werden durch die drei großen Landschaften in Amerika abgebildet – der Wald, das weite Feld und die große Stadt. Im dritten und letzten Buch seiner Reihe spielt vor allem New York als Spiegelstadt eine große Rolle (Originaltitel: „The City of Mirrors„). Auch der Titel ist in diesem Teil wirklich Programm. So wurde die Spiegelstadt New York nach ihren ganzen Hochhäusern und Reflektionen benannt. Aber auch Spiegel haben für die „Virals“ eine besondere Bedeutung, so Justin Cronin. Schließlich könnten sich Vampire in Spiegel eigentlich nicht sehen. Jedoch wollte er mit diesen Vorurteilten etwas aufräumen. Übrigens sind die „Virals“ wie sie sind, weil Justin Cronin Vampire (trotz Twilight) als die coolsten mystischen Wesen empfindet. Sie haben in Gegensatz zu Werwölfen, Zombies oder Frankensteins Monstern einfach die interessantesten und vielfältigsten Eigenschaften. Während des Interviews fragte ich ihn, welche Superkraft er sich wünschen würde, wenn die heutige Wissenschaft ihm eine einpflanzen könnte. Auch wenn er lange überlegen musste, ist für ihn Zeitreisen wohl die beste Superkraft, die er sich vorstellen könnte.

Die Spiegelstadt - Lesung und Interview mit Justin CroninWoher er seine Ideen und Inspirationen erhält, konnte Justin Cronin nicht so richtig benennen. Für ihn ist das wie Atmen: es passiert einfach. Zu „The Passage“ haben ihn aber auch verschiedene Bücher, wie zum Beispiel die Geschichte von Moby Dick oder das Buch 1984, und auch seine mittlerweile nicht mehr so kleine Tochter inspiriert. Auch während seiner zahlreichen sportlichen Betätigungen kommen ihm immer wieder Ideen. Justin Cronin scheint Bewegung sowieso zu lieben. Er erzählte von seinem häufigen Schwimmtraining, von Tennis und auch von seinen Segeltouren mit dem eigenen Boot. Eine seiner größten Herausforderungen während der Buchtouren wäre für ihn nicht dick zu werden, da viele Hotels häufig kein Fitnessstudio oder ähnliches bereithalten oder einfach die Zeit dazu fehlt.

Die Spiegelstadt - Lesung und Interview mit Justin Cronin

Seitenzahl: 992; Erschienen im Oktober 2016; ISBN: 978-3-442-31180-4Coverrechte liegen bei der Randomhouse Verlagsgruppe
Klappentext:Die Zwölf – Wesen der Dunkelheit, Todfeinde der Menschen – sind vernichtet, ihre hundertjährige Schreckensherrschaft über die Welt ist vorüber. Nach und nach wagen sich die Überlebenden aus ihrer eng ummauerten Zuflucht, Hoffnung keimt auf. Auf den Ruinen der einstigen Zivilisation wollen sie eine neue, eine bessere Gesellschaft aufbauen: der älteste Traum der Menschheit.

Doch in einer fernen, verlassenen Stadt lauert der Eine: Zero. Der Erste. Der Vater der Zwölf, der den Ursprung des Virus in sich trägt. Einst ein hochbegabter Wissenschaftler, der, seit er seine große Liebe verlor, nur noch von Rachedurst und Wut erfüllt ist. Sein Ziel ist es, die Menschheit endgültig auszulöschen. Seine Truppen sind bereit. Und der Zeitpunkt ist gekommen.

Nur Amy vermag ihn jetzt noch aufzuhalten, das Mädchen aus dem Nirgendwo, die einzige Hoffnung der Menschheit. Und so treten sie und ihre Freunde an zum letzten großen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit. (Quelle: Randomhouse)

Die Teile der Reihe:

1) Der Übergang
2) Die Zwölf
3) Die Spiegelstadt

Die Spiegelstadt - Lesung und Interview mit Justin Cronin
Auch über die Verfilmung seiner Bücher haben wir kurz gesprochen. Bereits in 2007 wurden die Filmrechte für die „Passage“-Trilogie verkauft. Vermutlich soll es aber kein Film, sondern eine TV-Show, wie „The Game of Thrones“, werden. Eigentlich ist Justin Cronin aber kein großer Fan von Verfilmungen, da jeder Leser und auch er als Schreiber seine eigene Geschichte und seine eigene Welt gebaut hat. Nach einer Verfilmung wäre es schwieriger diese Welt zu erbauen, weil der Film zu sehr im Vordergrund steht. Auch Schauspieler würde er aus diesem Grund nicht auswählen wollen. Viel mehr entsteht der Gesamteindruck durch den Inhalt des Buches selbst und durch die Gedanken, Erfahrungen und Gefühle des Lesers.
Es heißt also gespannt bleiben, ob nicht auch bald die Geschichte um die Virals und Amy bei uns im Wohnzimmer läuft. Bis dahin hat Justin Cronin ja genug Seiten geschrieben, um seine Leser bei Laune zu halten 😉

Die Spiegelstadt - Lesung und Interview mit Justin Cronin
Vielen Dank auch noch mal an dieser Stelle an Justin Cronin, der sich die Zeit für das Interview genommen hat, und an den Goldmann-Verlag für die Vermittlung! Außerdem möchte ich mich auch hier wieder bei der Buchhandlung Graff für die Einladung zur Lesung recht herzlich bedanken! Auch das neunte Krimifestival hat mir wieder viele unterhaltsame Abende beschert und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr!

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  1. Awww ich liebe ja Justin Cronin und seine Bücher und dein Post ist wirklich sehr schön geworden, vielen Dank dafür =)
    Ich bin ja doch ziemlich neidisch, dass du ihn treffen dürftest *möchte auch*

    Liebste Grüße!

  2. Oh Gott, ich liebe Justin Cronin immer mehr! 😀 Du hast einen so tollen Beitrag geschrieben, dass er mir richtig lebendig erscheint! Danke, dass du uns teilhaben lässt. Und verdammt, jetzt würde ich den dritten Band doch gerne direkt lesen, dabei wollte ich doch auf das Taschenbuch warten! >_______<

    Nine <3

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